24. Mai 2026: Radtour Via Verde del Val de Zafan
Gestern hatten wir uns in Cretas bei Matarraña Aventura zwei E-Bikes für heute 10:30 Uhr vorbestellt, weil wir eine Fahradtour machen wollen. Hat auch alles gut geklappt mit der Ausleihe. Der Besitzer erzählt uns, dass es in Spanien neuerdings eine Helmpflicht für Radfahrer außerhalb geschlossener Ortschaften gibt. In Ortschaften gilt die absolute Helmpflicht nur für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren. Bußgelder können bis 200 € gehen. Also benutzen wir unsere eigenen Kletterhelme.
Die meisten machen Touren entlang der Via Verde, auf der wir allerdings nur einen kleinen Teil zurücklegen werden. Wir haben uns eine Rundtour von 34 Kilometer herausgesucht, die durch Felder und Wälder führt. Wir sehen auch dieses Wasserrad am Wegrand mit der Erklärtafel Noria de sangre, von der aber nur noch der Titel zu lesen ist und die Erklärung von der Sonne verblasst ist. Ich weiß nur noch aus dem Französich-Unterricht das sangre Blut heißt.
Es ist eine Vorrichtung zur Wasserförderung, die auf der Iberischen Halbinsel weit verbreitet war. „Blut“ steht hier metaphorisch für die tierische Kraft (meist Maultiere, Esel oder Ochsen), die das Rad antrieb. Ein Tier läuft im Kreis und zieht einen Hebel, der eine horizontale Welle dreht. Diese horizontale Bewegung wird über ein Zahnradsystem (ein sogenanntes Winkelgetriebe) auf eine vertikale Welle übertragen. (Links zu sehen, allerdings verrutscht). Die Schöpfräder an dem Rad füllten sich mit Wasser und entleerten sich in einer Auffangrinne.
Leider lässt sich mein E-Bike nach einer Pause nicht mehr einschalten, bzw. nur für ein paar Sekunden. Wackelkontakt? Wir versuchen alles, aber es nichts geht mehr. Das bedeutet strampeln, was mit diesem Bike aber nicht ganz so leicht ist. Da wünsche ich mir doch ein Mountain-Bike herbei. Außerdem haben wir insgesamt 480 Höhenmeter zu überwinden. Ich gebe es zu, ich habe mich von Helga an bestimmten Stellen ziehen lassen, weil es einfach zu anstrengend war.
Aber es ist trotzdem sehr schön. Wir sehen einen Mispelbaum und die Früchte lachen uns so sehr an, dass wir einfach davon naschen müssen, und sie schmecken auch toll.
Wir erreichen den Fluss Matarraña. Hier ist er noch relativ flach und ist auch stärker veralgt.
Ein Stück weiter flussaufwärts gibt es einen kleinen Wasserfall und neben den Felsen bildet der Matarraña kleine Mulden, wo wir zunächst unsere Füße kühlen.
Es ist dann so erfrischend, dass wir beschließen, ganz hinein zu gehen.
Kurz darauf stoßen wir auf die Via Verde und fahren über das Viaducto del Matarraña.
Die Vía Verde del Val de Zafán, auf der wir uns hier befinden, war eine ehemalige Bahnstrecke, die ursprünglich das aragonischen Hinterland mit dem Ebro-Delta verbinden sollte. Mit dem Bau wurde 1882 begonnen, jedoch wurde der letzte Abschnitt nie fertiggestellt. Die gesamte Bahnstrecke wurde 1973 stillgelegt. Ein „glücklicher“ Zufall für die Betreiber war der Einsturz eines Tunnels im Jahr 1971. Dieser Vorfall diente als Vorwand, um den Betrieb nach zwei Jahren, in denen die Strecke bereits durch Busverbindungen ersetzt worden war, endgültig einzustellen. Die Gleise wurden etwa 25 Jahre später abgebaut.
Wir verlassen kurz nach dem Viadukt die Via Verde und kommen durch Torre del Compte. Dort sehen wir eine geöffnete Kneipe und erfrischen und mit einem Tostada Bier. Als wir uns wieder auf den Weg machen, sehen wir dieses eigenartige Gebilde.
Das dazu gehörige Schild gibt uns Hinweise für eine Erklärung.
Es ist ein historisches Bauwerk zur Lagerung von Schnee und Eis, das besonders im 17. bis 19. Jahrhundert in den bergigen Regionen Spaniens von großer wirtschaftlicher Bedeutung war. Die Neveras wurden in schattigen Lagen in den Bergen errichtet, oft in der Nähe von Gipfeln, wo im Winter viel Schnee fiel. Es handelte sich meist um zylindrische Brunnen aus Mauerwerk, die tief in den Boden eingelassen und oft mit einer Kuppel oder einem Dach geschützt waren. Am Boden gab es ein Entwässerungssystem, damit Schmelzwasser ablaufen konnte und das Eis nicht im Wasser stand. Im Winter sammelten Arbeiter (nevateros) den Schnee auf den umliegenden Berghängen. Der Schnee wurde in den Brunnen geworfen und dort durch Festtreten stark verdichtet. Das war harte körperliche Arbeit. Um zu verhindern, dass die Masse sofort schmolz, wurden zwischen die einzelnen Schneeschichten Isolierschichten aus organischem Material gelegt – meist Stroh, Schilf oder Zweige. Das Stroh diente als thermische Barriere und sorgte dafür, dass das Eis in Blöcke unterteilt blieb, die man später einfacher entnehmen konnte. Im Sommer wurde das Eis in Blöcken herausgehauen, in mit Stroh ausgekleidete Körbe verpackt und meist nachts auf Maultieren oder Eseln in die Dörfer transportiert, um den Wärmeverlust bei Tageslicht zu minimieren. Das 17. Jahrhundert gilt als „Blütezeit“ der Schneewirtschaft in Spanien, da das Klima in dieser Periode tendenziell kühler und schneereicher war. Die Handelsrechte für das Eis waren oft ein lukratives Monopol der Kirche oder lokaler Adliger. In Regionen wie Aragonien oder den Bergen Valencias war der Handel mit Schnee ein wichtiger Wirtschaftszweig, der sogar den Export bis in die Hafenstädte ermöglichte. Wieder was dazu gelernt.
Wir fahren erneut auf den Via Verde, der mir eintöniger erscheint, als unsere Radtour abseits der Bahnlinie, denn hier geht es immer geradeaus.
Hier sind wir dann sechs Kilometer vor unserem Ziel Cretas, das wir hier vor uns liegen sehen.
Es geht jetzt bergab, aber den Anstieg vor dem Ort, kann ich auch schon voraus ahnen. Unser Weg führt uns auch mitten durch die sehr schöne Altstadt. Hier das Portal der Iglesia de La Asunción de Cretas.
Puerta y Capilla de San Roque: Diese im 17. Jahrhundert neben einem Krankenhaus erbaute Kapelle war dem Heiligen Rochus geweiht, um die Bevölkerung vor Epidemien und Krankheiten wie der Pest zu schützen, die die Region damals heimsuchte. Sie bot zudem den Bedürftigsten, Kranken und Armen Zuflucht. Sie ist ein typisches Gebäude in den Dörfern der Region Matarraña, wo Verteidigungs- und religiöse Funktionen miteinander verbunden waren. Da haben wir ihn schon wieder den guten alten Rochus, obwohl hier ohne Bild!
Und noch ein paar Bilder ohne Einordnung.

Eins muss aber noch kritisch angemerkt werden. Wenn man so um 16 oder 17 Uhr erschöpft von einer Radtour zurück kommt und etwas anderes trinken möchte als das warme Wasser aus dem Rucksack, ist man ziemlich aufgeschmissen. Alles zu. Nichts zu wollen. Es gibt kaum Cafés oder so, wie bei uns, die nachmittags geöffnet haben.
Wir geben unsere Fahrräder zurück, und ich weise darauf hin, dass ich mein E-Bike nicht so nutzen konnte, wie geplant, und siehe da, ich bekomme mein Geld zurück. Das ist sehr zuvorkommend.
Einen kleinen Abstecher machen mir noch zu dem Wasserfall Salto de la Portellada.
Es ist ein etwa 20 Meter hohen Wasserfall des Flusses Tastavins (einem Nebenfluss des Matarraña). Das Aussehen des Wasserfalls hängt stark von den Niederschlägen ab. In trockenen Perioden kann es vorkommen, dass der Wasserfall sehr wenig Wasser führt oder sogar ganz versiegt. Und unten kann man baden.
Oberhalb des Wasserfalls lassen sich interessante Erosionsformen im Gestein beobachten, die durch den Flusslauf über lange Zeit geformt wurden.
Genug für heute. Wieder viel erlebt. Es war ereignisreich, wenngleich ich etwas gelitten habe.