16. Mai 2026: Barranco del Cabrerizo und Felsmalereien von Navazo von Albarracín

Heute steht nach den vielen Eindrücken von Städten und Landschaften mal wieder eine Wanderung an.

Wir haben uns eine bei Komoot herausgesucht direkt vom Hotel aus, ca. 15 Kilometer zu einigen Felsmalereien in der Umgegend. Das Wetter ist gut: es ist sonnig, klare Sicht, aber etwas kühl. Der Weg ist fantastisch, sehr grün, beeindruckende plötzlich auftauchende Felsformationen neben uns.Schopflavendel am Wegesrandund langblättriges Waldvögelein, eine Orchidee.Bei den Felsmalereien stehen wir manchmal lange davor und unsere Augen scannen den Felsen lange ab, und wir sind begeistert, wenn wir dann etwas entdecken. Hier mal ein Beispiel.Als Erklärung findet sich direkt daneben ein Vergleichsbild, was man sehen und erkennen könnte, wenn man denn gut hinschaut. Die Stätten sind ein geschütztes Kulturgut und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Die Felsüberhänge sind durch Zäune und Gitter geschützt, um die fragilen Malereien vor Vandalismus und Umwelteinflüssen zu bewahren. Hier noch eine sehr gut zu erkennende Felsmalerei.Die Felsmalereien sind eines der herausragendsten Beispiele für levantinische Felskunst in Spanien. Sie stammen aus der Jungsteinzeit (ca. 7.000 bis 5.000 v. Chr.). Im Zentrum stehen naturalistische Darstellungen großer Rinder (Stiere). Das wohl markanteste Merkmal dieser Stätten ist die Farbwahl. Während die levantinische Felskunst typischerweise durch rötliche Töne geprägt ist, wurden die Figuren im Prado del Navazo in einem auffälligen Gelblich-Weiß gemalt. Dies bildet einen starken und ästhetisch beeindruckenden Kontrast zum rötlichen Sandsteinuntergrund der Felswände.

Die Malereien sind gut ausgeschildert und befinden sich in Felsformationen wie diesen.Viele von diesen Felsen sind für das Bouldern freigegeben und so sehen wir an diesem Samstag auch viele junge Leute mit ihren Crashpads auf dem Rücken zu den besten Felsen wandern. Dieses Foto ist nicht von mir, ich habe leider verpasst eins zu machen.

Neben den Felsmalereien finden wir aber immer wieder auch farbige Tupfer neben unserem Weg wie dieses Rot-Seifenkraut.Während unserer Wanderung werden wir aber noch auf ein anderes Phänomen aufmerksam gemacht: auf die Rillen, die sich auf vielen Felsen in diesem Gebiet finden, als hätte sie jemand mit einem kleinen Meißel in mühsamer Feinarbeit in den Felsen gehauen.Liesegangsche Ringe (auch Liesegang-Bänder oder -Rillen genannt) sind ein faszinierendes geologisches Phänomen, das oft in Sandsteinen zu beobachten ist. Sie sehen aus wie kunstvolle, teils exzentrische Muster, Linien oder konzentrische Ringe, die sich durch das Gestein ziehen. Es handelt sich um sekundäre Strukturen. Das bedeutet, sie entstanden nicht zur gleichen Zeit wie das Gestein selbst (also nicht durch Ablagerung von Sand), sondern viel später, nachdem das Sediment bereits verfestigt war. Es ist quasi eine „nachträgliche chemische Verzierung“ des Gesteins. Der Prozess ist eine Form der geochemischen Selbstorganisation durch Diffusion und Ausfällung. Mineralhaltiges Wasser (meist reich an Eisen oder Mangan) sickert durch die Poren des Gesteins. Wenn sich die chemischen Bedingungen lokal ändern (z. B. durch Änderungen im pH-Wert oder Sauerstoffgehalt), fallen die gelösten Stoffe aus. Anstatt gleichmäßig auszufallen, geschieht dies in einem periodischen Rhythmus: Die Ausfällung eines Minerals entzieht der direkten Umgebung die Stoffe, wodurch eine „Verbrauchszone“ entsteht. Erst in etwas größerer Entfernung, wo wieder genügend Konzentration vorhanden ist, bildet sich das nächste Band. So entsteht das typische Streifen- oder Ringmuster. In vielen Fällen bestehen die Liesegang-Bänder aus eisenhaltigen Mineralen (wie Hämatit oder Limonit). Diese sind oft härter und verwitterungsresistenter als das umliegende, unbeeinflusste Gestein. Wenn der weichere Sandstein im Laufe der Zeit durch Wind und Wetter abgetragen wird, bleiben diese eisenreichen Bänder als kleine „Rippen“ oder Rillen stehen – sie treten also reliefartig aus dem Fels hervor. Wir sehen danach nur noch “Liesegang-Rillen”, “Ah, Liesegang, war mal wieder am Werk.” Es handelt sich übrigens um den deutschen Chemiker Raphael Eduard Liesegang, der das Phänomen 1896 experimentell nachstellte. Ich kannte Liesegang nur von den Episkopen aus der Schule. Aber es ist dieselbe Familie, denn sein Vater hatte diese Firma gegründet.

Zurück zur Wanderung. Wir kommen noch zu einem fantastischen Aussichtspunkt, dem Pinares de Rodeno (Fenster des Rodeno). Auf dem Rückweg noch eine weitere Felsmalerei, diesmal aber nicht mit einem Stier, sondern mit einem Bogenschützen.Die nackte Figur des eindeutig männlichen Bogenschützen liegt waagerecht und ist zum Schuss bereit. Ihr länglicher Kopf trägt eine Art Helm oder hohen Hut.

Auf dem Rückweg läuft uns noch diese Natter über den Weg.Es war eine ganz besondere Wanderung, wo wir viel dazu gelernt haben. Aber die herrliche Natur zu genießen mit ihrer Vielfalt war das A & O.