22. Mai 2026: Baden im Naturpool und Stadtrundgang Valderrobles

Mit der Intensität der letzten Tage kann unser Urlaub nicht weitergehen. Wir brauchen eine Pause. Zunächst überlegen wir am Morgen, wo wir ab Samstag hinfahren, denn Pfingsten steht vor der Tür, und da machen vielleicht die Spanier auch ein paar Tage Urlaub. Aber Pfingstmontag ist hier kein Feiertag. Wir beschließen einfach noch zwei Tage hier zu bleiben, was auch problemlos möglich ist.

Da es heute 32° warm werden soll, wollen wir ein Naturerlebnis besonderer Art genießen. In der Nähe von Beceite – wo wir gestern waren – gibt es ein wunderschönes Naturparadies, den Espacio Natural de La Pequera, das auch als die “spanische Toskana” bezeichnet wird. Warum, das bleibt mir ein Rätsel. Aber besonders ist es allemal.

Das Herzstück dieser Landschaft ist der Río Ulldemó, der über Jahrtausende hinweg durch Erosion eine spektakuläre Kette aus natürlichen Pools, Felsbecken und Badestellen in das Gestein gewaschen hat. Eingebettet ist das Flusstal in eine raue, von Steilwänden und üppiger mediterraner Vegetation geprägte Landschaft. Diese monumentalen Felsen fallen uns bereits bei der Anfahrt ins Auge.Es gibt insgesamt 15 dieser natürlichen Becken, in denen man Baden kann. Am Fluss entlang führt ein Weg, auf dem man mit dem Auto fahren kann, aber es gibt kaum Ausweichstellen. An den Pools gibt es Parkpätze unterschiedlicher Größe, aber meist nicht mehr als 5-8 Autos. Deshalb wird der Zugang im Sommer ab Mitte Juni bis Ende August streng reglementiert mit einem Buchungssystem und es kostet 10-12 €.

Da haben wir es doch gut. Wir fahren bis zum letzten Pool und genießen die absolute Ruhe, denn wir sind ganz allein mit dem Gurgeln und Plätschern des Wassers, und ab und zu hören wir einen Vogel zwitschern. Da ich die Temperatur von anderen Bergflüssen kenne, wo ich lediglich die Hand hinein halte, war ich von dem Wasser hier angenehm überrascht. Es ist vergleichsweise angenehm temperiert, aber trotzdem kostet es immer noch eine gewisse Überwindung, sich ins Wasser zu begeben. Wir genießen unsere Zeit hier, die Einsamkeit, die Schönheit der Landschaft und das extrem saubere, transparent und türkisblau schimmernde Wasser.

Aber alles Schöne hat auch irgendwann ein Ende, sonst wäre es nicht besonders.

Wir fahren nach Valderrobles und passieren auf dem Weg dorthin diese Klatschmohnwiese, die so aussieht, als sei sie gesät worden.Wir parken in der Neustadt und machen eine Zeitreise, indem wir den mittelalterlichen Zugang zur Stadt benutzen: die Puente de Piedra, eine elegante, spitzbogige Steinbrücke über den Matarraña aus dem 14. Jahrhundert.Am Ende der Brücke steht man direkt vor dem Portal de San Roque. Dies ist das einstige Haupttor der mittelalterlichen Stadtmauer. Über dem Torbogen befindet sich eine Nische mit einer Statue des Heiligen Rochus.Ich habe mich gefragt, was der Hund denn dort zu suchen hat, und was er in der Schnauze hat. Nun, Rochus wurde im 13. Jahrhundert als Sohn reicher Kaufleute in Südfrankreich geboren, verschenkte sein komplettes Vermögen an die Armen und pilgerte nach Rom. Dort wütete die Pest, aber er pflegte die Kranken, steckte sich an und zog sich in eine einsame Waldhütte zurück, um niemandem zur Last zu fallen. Die Legende sagt, das ein Hund ihn fand und ihm jeden Tag ein Stück Brot brachte. Der Besitzer des Hundes (ein Graf) suchte seinen Hund, fand Rochus und pflegte ihn gesund.

Der Heilige Rochus wird immer dargestellt mit Wanderrock und Pilgerstab. Er zieht mit einer Hand sein Gewand ein Stück nach oben, um auf die Pestbeule an seinem Oberschenkel zu zeigen. Zu seinen Füßen sitzt fast immer ein Hund, der oft ein Stück Brot im Maul hält.

Und warum steht er am Stadttor? Es war ein sichtbares Schutzzeichen: Der Heilige sollte die Pest und andere Seuchen symbolisch vor den Toren der Stadt abfangen und die Bewohner im Inneren vor der Einschleppung von Krankheiten bewahren.

Sobald man das Tor durchschreitet, gelangt man auf die zentrale Plaza de España. Hier befindet sich das beeindruckende Rathaus (16. Jahrhundert).Im Erdgeschoss befindet sich eine traditionelle Lonja (eine offene Markthalle mit großen Rundbögen).Das Gebäude ist ein Meisterwerk der aragonischen Renaissance. Typisch für diesen regionalen Stil ist die oberste Etage, die von einer langgezogenen Rundbogengalerie (galería aragonesa) geprägt ist, sowie von den kunstvollen Holzschnitzereien darüber.

Iglesia de Santa María la Mayor: Sie ist ein herausragendes Beispiel für die aragonische Gotik. Besonders prächtig ist ihre Westfassade mit einem riesigen, kunstvoll gearbeiteten Rosettenfenster (rosetón).Zur Burg aus dem 12. Jahrhundert gehen wir nicht mehr hinauf. Wir bummeln noch ein wenig durch die engen Gassen.Es ist nicht alles in gutem Bauzustand. Einiges ist im Verfall begriffen, wie zum Beispiel der Balkon und das komplette Gebäude auf diesem Foto. Manche dieser Häuser stehen auch zum Verkauf.Wir gehen zurück über die alte Steinbrücke und kehren wieder in das moderne Leben zurück.