23. Mai 2026: Homestory
Heute machen wir eine Wanderung direkt von unserem Dorf La Codoñera in die nähere Umgebung. Auf einer Karte im Dorf haben wir gesehen, dass hier drei ältere Olivenbäume stehen sollen, die wir uns anschauen wollen.
Als erstes passieren wir die Ermita de la Virgen de Loreto. 1776 erhielt La Codoñera die Stadtrechte, und kurz darauf wurde mit dem Bau dieser Kirche begonnen als stolzes Symbol für die neu gewonnene Unabhängigkeit.
Bereits aus der Ferne fällt uns der imposante, achteckige Vierungsturm aus Backstein ins Auge. Die darauf thronende Kuppel ist mit farbigen, glasierten Dachziegeln gedeckt, die im Sonnenlicht intensiv leuchten.
Wir gehen weiter zu dem ersten Olivenbaum, der sich etwa in einem Kilometer befinden soll. Wenn schon etwas wie die “Spanische Toskana” aussehen soll, dann schon eher die Gegend hier mit den hoch aufragenden Zypressen.
Die Olive von Santa Lucia hat ein geschätztes Alter von 718 Jahren und es handelt sich um eine Manzanella-Olive. Höhe 4 Meter, Umfang unten 9,60 Meter.
Hier noch ein Foto vom Stamm.
Diese Olivenbäume sind natürlich nicht mit denen zu vergleichen, die wir auf Kreta gesehen haben mit einem Alter von ein paar tausend Jahre, aber immerhin. Hier steht ein ganzer Olivenhain, und die Bäume stehen gerade in Blüte.
Weiter geht es zum nächsten Olivenbaum, der Olive de Mir mit einem geschätzten Alter von 801 Jahren. Ich frage mich, war die Schätzung vor einem Jahr mit 800 und dann muss sie jetzt 801 sein???
Der Baum besitzt gigantische Ausmaße. Der Umfang an der Basis des Stammes misst stolze 11,39 Meter. Selbst in einer Höhe von 1,30 Metern beträgt der Stammumfang noch immer 4,32 Meter. Der Baum erreicht eine Höhe von etwa 6,50 Metern und der maximale Durchmesser seiner riesigen Krone liegt bei knapp 12 Metern. In guten Jahren wirft diese Olive einen Ertrag von 360 Kilogramm Oliven ab.
Oliven werden wohl auch beschnitten wie das folgende Bild zeigt.
Es ist wirklich eine schöne Landschaft, durch die wir hier wandern. Wir haben sie noch gar nicht so richtig wahrgenommen, weil wir eigentlich jeden Tag von hier weggefahren sind.
Es ist sehr heiß heute mit 32°, aber immerhin erfrischt ab und zu eine leichte Brise. Und ein intensiver Duft füllt unsere Nasen, den wir nicht einordnen können. Hier wachsen viele Kräuter wie Rosmarin, Thymian und auch die Kiefern tragen zu dem Duftpotpourri bei. Eigentlich ist hier alles knochentrocken und daher sind wir sehr verwundert, hier plötzlich einen kleinen Teich zu entdecken. Er wurde wohl als Viehtränke benutzt, aber es gibt kaum noch Hirten, die ihre Herde hüten.
Als ich näherkomme springen alle Frösche hinein, aber ich kann noch Azurjungfern bei der Paarung beobachten.
Die letzte Olive de la Telleria sieht schon etwas “gerupft” aus, obwohl sie auch schon ein geschätztes Alter von 784 Jahren im Stamm hat.
Ein Stück weiter auf dem Hügel steht die Ermita de Santa Bárbara.
Sie das genaue Gegenteil der Ermita de la Virgen de Loreto: Sie ist ein Ort der Ruhe, der Schlichtheit und bietet einen der schönsten Panoramablicke über die gesamte Region.
Der Blick durch das Tor hinunter in die Ebene:
Jetzt gehen wir wieder hinunter ins Dorf. Auf dem Weg zu meinen Füßen strahlt weiß in der Sonne die Kopfförmige Mauermiere.
In La Codoñera gehen wir am Rathaus vorbei, das eine typisch aragonische Architektur aufweist.
Im Dorf, das übrigens nur 350 Einwohner hat, findet heute und Pfingsten ein Fest statt, bei dem Stände mit Kunsthandwerk zu sehen sind. Aber es sind nur ein paar Stickereien und Näharbeiten zu sehen, und der Rest ist Flohmarkt. Wir trinken ein Bier und sehen, dass die Kinder hier doch etwas anders spielen als bei uns. Übrigens: Stierkämpfe sind in Aragón als Teil des spanischen Kulturguts weiterhin legal und fest in lokale Traditionen eingebettet.
Wir gehen zurück zu unserer Unterkunft Casa rural Lo Regolfo. Es ist ein ehemaliges Bauernhaus. Wir wohnen übrigens im ersten Stock.
Der Vermieter erzählte uns bei der Ankunft, dass vor vielen Jahrzenten im Erdgeschoss noch Schweine und Esel gehalten wurden, was man am Trog noch gut erkennen kann.
Dort ist auch dieser Grundstein zu sehen, der wohl auf den Bau des Hauses im Jahr 1868 schließen lässt.
Im Hof befindet sich ein Patio, den wir allerdings noch nicht genutzt haben.
Auch in unseren Räumen sind die Lichtschalter und Steckdosen noch altertümlich. Es kann natürlich auch sein, dass sie immer noch so erhältlich sind, damit sie einen antiken Charme ausstrahlen.
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