8. November 2025: Die mittelalterliche Altstadt von Ródos

Heute ist der geführte Rundgang mit der Reisegruppe durch die Altstadt. Einen Großteil haben wir gestern am späten Nachmittag schon gesehen, deshalb gibt es Bilder von gestern (schönes Wetter) und von heute (Regen).

An das antike Ródos erinnert nur noch die Akropolis etwas außerhalb auf einem Hügel, die wir später nur vom Bus aus sehen konnten.

Wesentlich imposanter und omnipräsent in der Altstadt sind die mittelalterlichen Bauten der Kreuzritter, der Großmeisterpalast, die Bastionen, die gewaltigen Mauern und dazwischen die Wehrgräben. Zusammen ergibt das die seinerzeit stärkste Festung Europas.

Der “Orden vom Hospital des hl. Johannes zu Jerusalem” im folgenden kurz Johanniter genannt, gegründet von den Rittern des Ersten Kreuzzugs, hatte 1309 die Ruinenstadt des antiken Rhodos erobert und einen eigenen Staat gegründet. Dieser finanzierte sich aus Spenden aus Europa, aus Kaperfahrten gegen muslimische Handelsschiffe und, ja, aus dem Tourismus: Rhodos war eine Etappe der Pilgerreisen ins Heilige Land. Rhodos-Stadt wurde mit den Trümmern der Antike zu einer Festung ausgebaut, die heute noch die beeindruckendste Attraktion der Insel ist, ein Weltkulturerbe der Unesco.

Hier die Ritterstraße (Odos Ipporon) [auch erstes Foto]:

Die anliegenden Gebäude diente den einzelnen Landsmannschaften der Ritter als Herbergen, ebenso wie den Pilgern nach Jerusalem, die oft auf Ródos Station machten. Auch die Wehrmauern waren in einzelne Abschnitte für die verschiedenen Länder der Ritter eingeteilt.

Wehrmauer mit Amboise-Tor und Großmeisterpalast

Der Großmeisterpalast

Tor zur Herberge der französichen Ritter in der Ritterstraße

Eingang zum Krankenhaus der Johanniter, jetzt das Archäologische Museum

Obwohl die Johanniter die Festung immer weiter ausbauten, tauchten im Jahre 1522 die Osmanen auf, weil die Insel ihnen ein Dorn im Auge ihres gewaltigen Reiches direkt vor ihrer Haustür war. Es ist praktisch das gallische Dorf von Asterix und Obelix für die Römer.

Nach hartem Kampf und 6-monatiger Belagerung blieb den Johannitern nichts anderes übrig, als den Osmanen die Festung zu übergeben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Rhodos_(1522)

https://www.welt.de/geschichte/kopf-des-tages/article239560213/Tuerkenkriege-Sueleyman-belagert-Rhodos.html

Die Johanniter flohen nach Kreta und dann nach Malta und wurden dann zu Maltesern.

Nach der Explosion eines osmanischen Pulvermagazins wurde die Johanneskirche und ein Teil des Großmeisterpalastes zerstört. Die Italiener besetzten Ródos nach dem Ende des italienisch-türkischen Kriegs 1912. Ab 1937 begannen sie mit dem Wiederaufbau des Großmeisterpalasts, um ihn für Mussolini als Sommerresidenz herzurichten. Der tauchte dort jedoch nie auf, weil er später dann auch im Verbund mit Hitler Krieg führte.

Aber zurück zu unserer Tour. Wir sind wir am Krankenhaus bzw. jetzt Archäologischem Museum angekommen. Da es gerade stark anfängt zu regnen, nehmen wir die Gelegenheit wahr, uns das alte Gebäude, den schönen Garten und einen Teil der Ausstellungsstücke anzuschauen.

Hier ist der Innenhof des zweistöckigen Gebäudes zu sehen.

Der riesige Krankensaal von 50 Metern Länge und 12 Meter Breite:

Eine Vase einer erotischen Darstellung einen Mannes und einer Frau auf einer Couch mit Hund (510-500 v. Chr.) 😃:

Eine weitere Vase mit nackten Männern in alkoholisierter Ekstase (520-510 v. Chr.) 🤣:

Und noch eine Vase: Aphrodite s Geburt: die Göttin zwischen Hermes und Pan (ca. 300 v. Chr.):

Hier die Statue von Aphrodite, bekannt als Venus von Ródos (Venus ist der römische Name für Aphrodite) ca. 300 v. Chr.:

Hier noch die Skulptur eines lustigen Delfins:

Und hier ein Brunnen im Garten:

Zum Abschluss der Kreuzgang des Gebäudes:

Wir fahren dann mit dem Bus zur Akropolis-Anhöhe, wo es außer drei eingerüsteten Säulen nicht viel zu sehen gibt. Nur dieses Panorama auf die Bucht von Ialyssós.

Nach dem Ende der Bustour gehen wir noch ein wenig in die Neustadt. Zu der zählt alles außerhalb der Stadtbefestigung.

Wir gehen beim Bischhofspalast

vorbei auf dem Weg zum Mandraki-Hafen. Zwei Säulen beherrschen die Einfahrt zum Hafen, auf denen die Figuren eines Hirsches und einer Hirschkuh stehen. Der Hirsch ist das Wappentier von Ródos.

Auf der anderen Seite des Hafens kontrastieren die alten Getreidemühlen von Ródos mit den ultramodernen riesigen Jachten der Millionäre.

Dann zieht es uns wieder in die Altstadt.

Durch das Arsenaltor

gehen wir zum Hospitaltor, das uns wieder in die Altstadt führt.

Wir gehen in das jüdische Viertel zum Palatia Martyron Evreon, dem Platz der hebräischen Märtyrer.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich auf Ródos nicht auf deutsche Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs stoßen würde, wie auf Kreta an allen Ecken und Enden. Weil Ródos ja von den Italienern besetzt war.

Nach dem Sturz Mussolinis und der Kapitulation Italiens im September 1943 entwaffneten 6500 deutsche Soldaten das 40000 Mann starke italienische Kontingent. Italienische Soldaten, die Widerstand leisteten und an Partisanenaktionen beteiligt waren, wurden exekutiert.

Otto Wagener übernahm im Juni 1944 das Kommando auf Rhodos. Er war ein Nazi der ersten Stunde, der 1933 als Wirtschaftsminister im Gespräch war, dann aber seinen Einfluss bei Hitler verlor. Als Generalmajor errichtete Wagener ein Schreckensregiment auf Rhodos, war verantwortlich für die Deportation der rhodischen Juden, für über 1000 Todesurteile in 10 Monaten, die Errichtung des KZ Caliteas, in dem bei zunehmend knapper werdenden Nahrungsvorräten fast 2000 Menschen schon wegen geringfügiger Vergehen wie Gemüsediebstahl dem Hungertod überlassen wurden. Wagener wollte zum Schluss Rhodos zur letzten Bastion der NS-Ideologie ausbauen, kapitulierte dann aber doch am 9. Mai 1945. In Italien wurde er zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, kam aber bereits 1951 auf Intervention von Konrad Adenauer wieder frei.